Zweige mit Schnee
Im Bandweberhaus des Freilichtmuseums gefertigte Bänder

Grünkohl

Grünkohlvielfalt im Museum

Grünkohl ist eine vielfältige Kohlvarietät, die auch im LVR-Freilichtmuseum Lindlar wächst. Angebaut wird der Grünkohl in Deutschland in erster Linie im Norden und im Westen. Traditionell zubereitet kennt man ihn mit Bauchspeck, Kohlwürsten und Kartoffeln. Doch so schmackhaft dies auch ist – durch die lange Kochzeit verliert der Grünkohl viele seiner überaus wertvollen Inhaltsstoffe. Im rohen Zustand ist er ein richtiges „Superfood“. Grünkohl enthält zum Beispiel deutlich mehr Vitamin C als Zitronen, ist reich an wichtigen Mineralstoffen wie Eisen oder Magnesium und weist unter anderem krebsvorbeugende Senföle auf. Kurz in Salzwasser blanchiert, bleiben viele der gesunden Inhaltsstoffe erhalten und er kann so etwa für Salate oder Pestos verwendet werden.

Im Feldgarten an der Schule Hermesdorf zeigt das Museum zehn verschiedene Sorten – vom „Hohen Roten Krausen“ bis hin zur „Ostfriesischen Palme“. Nicht nur die Optik unterscheidet sich, auch im Geschmack gibt es Unterschiede. Falls Interesse an den im Freilichtmuseum angebauten Sorten besteht: Saatgut kann unter anderem bei folgenden Anbietern bezogen werden:

Saatgut für den Engkohl, der alten, regionalen Grünkohlsorte der Bergischen Gartenarche Oberberg, ist im Museumsladen erhältlich – solange der Vorrat reicht.

Geschichte

Der Grünkohl, eine Varietät des Gemüsekohls, stammt vom Wildkohl (Brassica oleracea) ab und gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse. Seine Nutzungsgeschichte beginnt vor ca. 3.000 Jahren in Griechenland. Die Menschen der Region züchteten aus einer großblättrigen, bitteren Staude eine Vielzahl unterschiedlicher Gemüsesorten. Zunächst diente die Pflanze den ärmeren Bevölkerungsschichten als Nahrung und Viehfutter. Durch Züchtungen wurde sie milder und in der Bevölkerung beliebter. Zu jener Zeit schon beschrieb Hippokrates ihre Verwendung als Heilmittel.

Von Plinius werden Kohlpflanzen erwähnt, die stark gekräuselte Blätter hatten. Ob diese mit Grünkohl gleichzusetzen sind, ist aber unklar. Der erste Beleg für Grünkohl, wie wir ihn heute kennen, stammt aus dem 15. Jahrhundert aus der Bretagne. Viele der alten und heute noch bekannten Sorten sind insbesondere in den letzten 200 Jahren entstanden. Traditionelle Anbaugebiete sind der Norden Deutschlands und Nordrhein-Westfalen.

Sorten

Grünkohl gibt es in vielen verschiedenen Sorten, die sich teilweise in ihrem Aussehen, ihrer Wuchshöhe und ihrer Blattfärbung stark unterscheiden. Manche sind zudem besonders winterhart oder geschmacklich herausstechend.

Im Schaugarten des Museums sind im Winter 2022/23 folgende Sorten zu sehen:

  • Westländer Winter
    Halbhohe Sorte mit feingekräuseltem Laub. Sehr gute Frosthärte, bis -22 °C. Standfest und ertragreich. Ernte ab Dezember.
  • Nero di Toscana
    Palmartiger Wuchs mit blaugrünen, schmalen Blättern. Geringe Frosttoleranz, aber hitzeresistent. Ernte bis Dezember, benötigt zuvor keinen Frost. Gut für die Kübelzucht geeignet.
  • Lerchenzunge
    Halbhohe, rund 150 Jahre alte Sorte mit langen, schmalen und fein gekrausten Blättern. Gute Frosthärte. Ernte ab Oktober.
  • Halbhoher grüner Krauser
    Dunkelgrüne, bis zu 90 cm hohe Sorte mit fein gekräuseltem Blatt. Gute Frosthärte. Ernte ab Oktober. Gut geeignet für schlechte Standorte, z. B. in windexponierter Lage.
  • Roter Grünkohl
    Halbhohe Sorte mit dunkelvioletten, fein gekräuselten Blättern. Gute Frosthärte. Ernte ab September. Die rote Farbe verschwindet beim Kochen weitestgehend.
  • Ostfriesische Palme
    Alte, bis zu 1,8 m hohe, Zweinutzungssorte mit gekrausten Kronblättern. Die unteren Blätter werden ab September als Viehfutter genutzt, die oberen ab Oktober verzehrt. Gute Frosthärte.
  • Red Russian
    Halbhohe Sorte mit violetten Stielen und dunkelgrünen, gezackten Blättern. Diese sind weicher als beim üblichen Grünkohl. Mittlere Frosthärte. Ernte zwischen August und Dezember.
  • Hoher Roter Krauser
    Bis zu 1,5 m hohe Sorte mit rot gefärbten, stark gekräuselten Blättern. Gute Frosthärte. Ernte ab Oktober. Die Sorte zeichnet sich durch eine gute Wuchsfähigkeit auch bei schlechterer Wasser- und Nährstoffversorgung aus.
  • Niedriger Grüner Krauser
    Niedrig bleibende Sorte mit dunklen, krausen Blättern. Sehr gute Frosthärte. Ernte ab Dezember. Die Sorte zeichnet sich durch eine gute Wuchsfähigkeit auch bei schlechterer Wasser- und Nährstoffversorgung aus.
  • Altmärker Braunkohl
    Sehr unterschiedliche halbhohe bis hohe alte Sorte, mit Farben von grün über rot bis violett. Gute Winterhärte. Ernte ab Dezember. Wird besonders gern für deftige Speisen verwendet.
  • Engkohl
    Alte regionale Grünkohlsorte aus dem Bergischen Land. Sie wächst halbhoch und ist glattblättrig. Gute Frosthärte. Ernte ab Oktober. Engkohl bedeutet „Endkohl“, da er traditionell am Ende des Feldes stand.

Anbau

Grünkohl kann im Mai vorgezogen und ab Juni ins Freiland umgesetzt oder direkt ausgesät werden. Für eine gute Ernte sind ein sonniger Standort und ein nährstoffreicher Boden wichtig. Je nach Bodenverhältnissen ist vor der Aussaat eine ausreichende mit organischem Dünger, wie z. B. Kompost, notwendig. Die meisten Grünkohlsorten können über den Winter – bis in den März hinein – regelmäßig geerntet werden.

Wer selbst Saatgut gewinnen möchte, lässt einige Pflanzen stehen. Diese blühen und fruchten erst im zweiten Jahr. Darüber hinaus ist es notwendig samenfeste Sorten zu verwenden und kein F1-Hybridsaatgut. Grünkohl und auch andere Kohlpflanzen sollten nur etwa alle vier Jahre an derselben Stelle angebaut werden. So minimiert man das Risiko für das Auftreten verschiedener Kohlkrankheiten. Tritt die gefürchtete Kohlhernie auf, so ist eine Anbaupause von mind. sieben Jahren an dieser Stelle notwendig. Reste befallener Pflanzen müssen über die Biotonne entsorgt und auf keinen Fall daheim kompostiert werden.

Die meistgestellte Frage:

Braucht Grünkohl Frost oder nicht? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Durch den Frost wird der Zucker, der bei der Fotosynthese entsteht, nicht so schnell in Stärke umgewandelt. Der Geschmack ist dadurch süßer. Dafür reichen bereits Temperaturen unter 5°C aus. Moderne Sorten haben jedoch von Natur aus einen höheren Zuckeranteil und sind daher nicht mehr auf niedrige Temperaturen angewiesen.

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