Zweige mit Schnee
Blumen bei Der Bauer pflügt das Feld mit einem Pferdegespann um.
Auf Tischen sind viele verschiedene vorgezogen Pflanzen aufgebaut. Besucher schauen sich interessiert um.
Der Bauer pflügt das Feld mit einem Pferdegespann um.
Ein Schmied steht am Amboss vor dem Schmiedefeuer und bearbeitet das heiße Metall mit dem Hammer.
PS & Pedale: Historische Motorräder auf dem Gelände des LVR-Freilichtmuseums Lindlar
Im Bandweberhaus des Freilichtmuseums gefertigte Bänder

Frauen im Aufbruch – Politische Plakate

Ausstellung im LVR-Freilichtmuseum Lindlar

Vor 100 Jahren trat die Weimarer Reichsverfassung in Kraft. Mit dieser ersten demokratischen Verfassung war im Jahr 1919 die rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen offiziell garantiert – unter anderem auch mit der Durchsetzung des Frauenwahlrechtes. Aus diesem Anlass zeigt das LVR-Freilichtmuseum Lindlar noch bis zum 7. April die Plakatausstellung „Frauen im Aufbruch – Politische Plakate“.

Die Ausstellung wurde von der Friedrich-Ebert-Stiftung / Archiv der sozialen Demokratie konzipiert und zur Verfügung gestellt und zeigt die Werbung um die politische Beteiligung der Frauen in den drei wichtigen demokratischen politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts. Allgemeine Wahlaufrufe stehen dabei neben Werbeplakaten für verschiedene Parteien und Vereinigungen. Die Auswahl von Plakaten zum Thema Frauen im Aufbruch konzentriert sich auf die Jahre 1918/19, 1945/49 und 1989/90. Ergänzt wird die Ausstellung durch Abdrucke historischer Plakate aus dem Jahr 1919 des Kölner Stadtmuseums.

Am Weltfrauentag, dem 8. März führt Kuratorin Petra Dittmar durch die Ausstellung und erläutert anhand ausgewählter Biographien die Veränderungen der Lebenswelten von Frauen in der Weimarer Republik. Treffpunkt ist um 14 Uhr im Eingangsgebäude.

1918/19 Die Einführung des Frauenwahlrechts

Die Lebensbedingungen von Frauen veränderten sich während der Weimarer Republik grundlegend: Die rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen war durch die erste demokratische Verfassung im Jahr 1919 manifestiert. Alle Frauen, die älter als 21 Jahre alt waren, besaßen erstmals das Recht, aktiv und passiv an Wahlen des deutschen Zentralparlamentes am 19.1.2019 teilzunehmen. Die Wahlbeteiligung war beeindruckend. 82,3 % der wahlberechtigten weiblichen Wählerinnen gaben ihre Stimme zur Nationalversammlung ab.

Die Plakate verdeutlichen den Aufbruch in die Demokratie und zeigen auch den Umgang der Parteien mit dem neuen Frauenwahlrecht. Die Parteien versuchten, unabhängig von ihrer vorherigen Einstellung zum Frauenwahlrecht, die Frauen gesondert anzusprechen. Dabei verknüpften die Parteien ihre jeweilige Weltanschauung mit stereotypen Vorstellungen von "der Frau": Sie wird in den Plakaten als Mutter, friedfertiges Wesen oder auch als gläubige Katholikin angesprochen. Besonders wichtig war nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg die Thematisierung als „Deutsche“, um das nationale Selbstwertgefühl mit der jeweiligen Partei zu verbinden. Eine Ansprache, die Frauen politisch ernst nahm, findet sich hingegen eher selten.

1945/49 Trauer und Neuanfang

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus war die deutsche Nachkriegsgesellschaft stark weiblich geprägt: Frauen bildeten nicht nur die Mehrzahl, sie waren bereits während des Zweiten Weltkriegs auch in den zuvor von Männern dominierten Bereich der Arbeit eingedrungen. Dies wurde zunächst nicht thematisiert. Stattdessen schlug sich die Erfahrung des Kriegs, wie auch schon nach dem Ersten Weltkrieg, in einer besonders moralischen Ansprache der Frauen nieder. Sie erschienen auf den Plakaten als trauernde Mütter, als Erinnerung an eine schlimme Vergangenheit, aber auch als besonders verantwortliche Trägerinnen einer friedvollen Zukunft. Die Plakate verlassen ihre bis dahin übliche Darstellungsform der Zeichnung kaum und wenden sich nur selten „neuen“ Darstellungsweisen wie der Fotografie zu.

1989/90 Umbruch und Verstetigung

Durch die Friedliche Revolution und die deutsch-deutsche Vereinigung trafen zwei sehr unterschiedliche politische Kulturen von Ost und West aufeinander. Stellte diese Zeit für Frauen in Westdeutschland eine Verstetigung eines Gleichberechtigungsprozesses dar, so bedeutete der Umbruch für Frauen in Ostdeutschland einen potenziellen Rückschritt aus der gesicherten Situation einer formalen Gleichberechtigung. In den Plakaten von 1989/90 finden diese verschiedenen Sichtweisen ihren ganz eigenen momenthaften Eindruck. Die Vielfalt der Positionen korrespondiert dabei mit einer Vielfalt der ästhetischen Gestaltung der Plakate.

Bildergalerie (zum Vergrößern Bild anklicken)

  • Das Plakat zeigt eine Frau, die eine rote Fahne schwenkt
  • Das Plakat zeigt eine Frau und ein Kind
  • Auf dem Plakat sind vier Frauen verschiedenen Alters zu sehen
  • Wahlplakat der CDU mit einer Frau und zwei Kindern
  • Wahlplakat der SPD mit einer Familie