Zweig mit gefärbten Blättern
Blumen bei Der Bauer pflügt das Feld mit einem Pferdegespann um.
Auf Tischen sind viele verschiedene vorgezogen Pflanzen aufgebaut. Besucher schauen sich interessiert um.
Der Bauer pflügt das Feld mit einem Pferdegespann um.
Ein Schmied steht am Amboss vor dem Schmiedefeuer und bearbeitet das heiße Metall mit dem Hammer.
PS & Pedale: Historische Motorräder auf dem Gelände des LVR-Freilichtmuseums Lindlar
Im Bandweberhaus des Freilichtmuseums gefertigte Bänder

Begegnung mit Zavadiv

Fotoausstellung mit Impressionen aus der Ukraine

Ab dem 1. September 2018 zeigt das LVR-Freilichtmuseum Lindlar die Fotoausstellung „Begegnung mit Zavadiv“ der ukrainischen Fotografin Solomia Kratsylo. Ihre Leidenschaft für die Fotografie entdeckte Kratsylo bereits in ihrer Jugend, als sie sich 17-jährig mit der Kamera ihres Großvaters auf die Suche nach Motiven begab. Heute fängt sie mit scharfer Beobachtungsgabe das scheinbar anachronistische Nebeneinander des Alltagslebens des Dorfes Zavadiv in der ländlichen Westukraine ein.

Die kleine Ortschaft liegt rund 70 Kilometer nordwestlich von Lviv nahe an der polnischen Grenze. Die gezeigten Dorf-Szenerien offenbaren ihre tiefergehende Bedeutung oft erst beim zweiten Hinsehen. Gebäude, Gegenstände, Straßenszenen und Porträts von Menschen gehören zu den bevorzugten Motiven von Solomia Kratsylo. Die in Zavadiv eingefangenen Momentaufnahmen wirken dabei wie ein Brennglas für gesamtgesellschaftliche Probleme.

So hat das Dorf mit Einwohnerschwund und Landflucht zu kämpfen. Die meisten der rund 1.200 Dorfbewohner leben von der Landwirtschaft oder pendeln zur Arbeit in das nahe Polen. Viele Häuser in Zavadiv stehen leer und sind zu verkaufen. Doch ohne fließendes Wasser und elektrischen Strom finden sich kaum Käufer. Kratsylo hat den stetigen Verfall der leerstehenden Gebäude optisch eingefangen. Sie dokumentiert, wie sich Staub über die zurückgelassenen Alltagsobjekte legt und die Vergangenheit langsam überdeckt wird.

Für aufmerksame Beobachter spiegelt sich auch die weltpolitische Situation in Kratsylos Arbeiten wider. Vieles im Dorf ist in den ukrainischen Nationalfarben gestrichen. Nach der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 suchten die Menschen nach einer Möglichkeit, ihrer nationalen Identität Ausdruck zu verleihen. Auch die traditionelle Handarbeit, wie die ukrainische Stickerei hat an Bedeutung und Beliebtheit gewonnen. An Sonn- und Feiertagen tragen ganze Familien traditionelle Kleidung, um ihren Patriotismus hervorzuheben.

Solomia Kratsylo wurde 1987 in Lviv (Lemberg) in der Ostukraine geboren. Nach dem Besuch der Oberschule begann sie ein Philologisches Studium der germanischen Sprachen, das sie im letzten Jahr mit dem Doktortitel abschloss. Sie hat bereits viele Orte der Welt bereist und spricht sechs Sprachen. Über sich selbst sagt sie: „Meine Liebe zur Fotografie entspringt meinem Wunsch, die Natürlichkeit des Alltags festzuhalten. Dies ist mein Antrieb für die Aufnahmen, die ich von Zavadiv und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern fertigte.“

Bildergalerie (zum Vergrößern Bild anklicken)

  • Hut ab vor dem Kutscher. Die Pferde im Dorf sind fester Bestandteil der ländlichen Arbeitswelt.
  • Der gesellige Kiosk. Der kleine Kiosk, in dem man unter anderem Brot, Eis und Zwiebeln kaufen kann, gehört dem 43-jährigen taubstummen Mykhailo Khodonovych.
  • Ein Sprung auf dem Kirchhof. Die sechsjährige Ramona Manko genießt es, nach dem Gottesdienst auf dem Kirchhof zu hüpfen. Kleidung aus traditioneller ukrainischer Stickerei hat seit 2014 an Beliebtheit gewonnen.
  • Ewige Portraits. In vielen verlassenen Gebäuden hängen an den Wänden nicht nur Heiligenbilder, sondern auch die Portraits der einstigen Besitzerinnen und Besitzer.
  • Mittagspause. An einer der Hauptkreuzungen treffen sich drei Männer zufällig in ihrer Mittagspause. Sie diskutieren über die Ausbringung von Pflanz- und Saatgut, bevor sie an ihre Arbeitsstätten zurückkehren.
  • Die Natur schlägt zurück. Das alte Eternitdach des Hauses mit Moos bedeckt. Obwohl die Gefahren bekannt sind, besitzen viele Häuser in der Ukraine noch immer Dächer aus Asbest.
  • Österlicher Segen. Auf der vollen Wäscheleine hängen traditionell bestickte Osterkorbtücher.